Mit Betroffenen forschen

St. Pölten –

Unter dem Tagungsthema “Transformative Forschung” widmete sich der diesjährige Social Work Science Day der FH St. Pölten der Frage, wie Betroffene in Forschungsvorhaben eingebunden werden können und welche Auswirkungen und Herausforderungen die neue Perspektivenvielfalt mit sich bringt.

Transformative Forschung ermöglicht Betroffenen, selbst mitzuforschen und gemeinsam mit Sozialarbeiterinnen und Wissenschafterinnen Grundlagen für Um- und Neuordnungen im Leben zu schaffen. Im Rahmen der Fachtagung der FH St. Pölten, die diesmal aufgrund der aktuellen Situation online stattfand, tauschten sich 200 Praktiker*innen der Sozialen Arbeit zum Thema aus.

“Die Besonderheit der transformativen Wissenschaft ist, dass durch die Zusammenarbeit unterschiedlicher Disziplinen und durch den Einbezug von Betroffenen selbst wirksame Veränderungen in sozialarbeitsrelevanten Praxisfeldern angestoßen werden können. Vor allem komplexe Problemstellungen lassen sich nicht mit einer einzigen Perspektive lösen”, so Johannes Pflegerl, Leiter des Ilse Arlt Instituts für Soziale Inklusionsforschung der FH St. Pölten.

Transformative Forschung ist veränderungsorientierte Forschung

Susanne Elsen von der Freien Universität Bozen hielt die Keynote der Tagung. “Transformative Forschung heißt nichts anderes als veränderungsorientierte Forschung und Entwicklung”, so Elsen. “Dieses Forschungsparadigma beruht auf der Erkenntnis, dass komplexe Probleme nur multiperspektivisch verstanden und gelöst werden können. Es hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten vor dem Hintergrund der sozialen und ökologischen Zerstörungen herausgebildet. Soziale Arbeit ist eine Disziplin und Profession, welche diese Kultur der partizipativen und veränderungsorientierten Forschung und Entwicklung sehr früh entwickelt hat. Dieses Verständnis gilt es heute vor veränderten Vorzeichen neu zu denken.”

Unterstützung während Covid19-Pandemie

Auch während der aktuellen Covid19-Pandemie ist transformative Sozialforschung gefragt: In einem der Workshops thematisierten die Teilnehmer*innen die Folgen der Ausgangsbeschränkungen auf Personen, die durch deren Alter, Krankheit oder Behinderung nicht außer Haus können, und wie unter Beteiligung der Betroffenen ein stützendes Netzwerk aufgebaut werden kann.

Innovative Projekte aus Lehre und Forschung

Darüber hinaus zeigten Studierende des Master-Studiengangs Soziale Arbeit und des Masterlehrgangs Sozialpädagogik in einer Postersession und in Workshops anhand aktueller Projekte, wie sie forschend unter Einbezug von Adressat*innen und anderen Professionen sozialarbeitsrelevante Lösungsansätze zu aktuellen Fragestellungen entwickeln. Die Projekte umfassten Themen wie Sozialarbeit 4.0 in digitalen Lebenswelten, die Unterstützung betreuender Angehöriger oder partizipative Gemeinwesenarbeit.

Social Work Science Day der FH St. Pölten: Transformative Forschung
Informationen zu den Projekten und Workshops: https://swsd.fhstp.ac.at
Der Social Work Science Day ist eine Veranstaltung des Ilse Arlt Instituts für Soziale Inklusionsforschung des Department Soziales der FH St. Pölten. Das Arlt Institut beschäftigt sich mit sozialarbeitswissenschaftlicher Forschung und Entwicklung zu den Schwerpunkten Partizipation, Diversität und Demokratieentwicklung, Health und Social Care sowie Methodenentwicklung und Soziale Diagnostik.

FH St. Pölten,
Eva Schweighofer

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