Klimafolgen 2100: Welt-BIP verliert 14 Prozent

Berlin/Potsdam (19.08.2020) –

Die menschengemachte Erd- und damit Klimaerwärmung wird die Produktion und letztlich Wohlstand in aller Welt deutlich stärker beeinträchtigen als durch bisherige Modellstudien beziffert. Zu dem Ergebnis kommt eine neue Studie des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) http://mcc-berlin.net und dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) http://pik-potsdam.de auf Basis empirischer Daten aus 1.500 Regionen in 77 Ländern. Details wurden im “Journal of Environmental Economics and Management” publiziert.

148 Euro Schäden pro CO2-Tonne

Die Studie schätzt den Verlust der Wirtschaftsleistung im Jahr 2100 auf sieben bis 14 Prozent. Demnach verursacht jede Tonne CO2, die 2020 emittiert wird, umgerechnet 76 bis 148 Euro Schäden, so die Forscher. Laut den Berechnung der Experten würden insbesondere die Schäden in tropischen Regionen zu Buche schlagen, und zwar mit über 20 Prozent Verlust an Wirtschaftsleistung.

In einem zusätzlichen Schritt hat das Team auch ermittelt, wie viel Schaden von einer einzelnen Tonne CO2-Ausstoß ausgeht. Dazu modifizierte es das Klima-Ökonomie-Modell DICE. “Wenn man die in diesem Rechenwerk unterstellte Schadensfunktion durch die statistischen Zusammenhänge aus unseren Daten ersetzt, kommt man auf zwei- bis viermal so hohe Kosten”, resümiert MCC-Forscher Matthias Kalkuhl.

“Unserer Studie zufolge verursacht nämlich jede Tonne CO2, die im Jahr 2020 emittiert wird, wirtschaftliche Schäden in Höhe von 73 bis 142 Dollar in Preisen von 2010 – statt 37 Dollar im DICE-Modell. Das entspricht 76 bis 148 Euro in heutigen Preisen. Im Jahr 2030 liegt die Social cost of carbon, wegen der bis dahin weiter steigenden Temperaturen, bereits fast 30 Prozent höher”, ergänzt Kalkuhl.

Studie in Schätzung noch defensiv

Zum Vergleich: Der CO2-Preis im europäischen Emissionshandel schwankt derzeit zwischen 20 und 30 Euro pro Tonne; der nationale CO2-Preis in Deutschland beginnt im nächsten Jahr bei 25 Euro und steigt bis 55 Euro im Jahr 2025. Damit spiegeln diese aktuellen CO2-Preise nur einen geringen Teil der Klimaschäden wider. Nach dem Verursacherprinzip müssten sie deutlich nach oben angepasst werden, heißt es in der Analyse.

Dabei ist der Ansatz der Studie noch defensiv: “Wir betrachten lediglich die unmittelbaren Folgen des Temperaturanstiegs, nicht die Schäden durch Extremwetter-Ereignisse oder Meeresspiegel-Anstieg”, betont Leonie Wenz, Co-Autorin und stellvertretende Forschungsbereichsleiterin am PIK. “Und wir beziffern nur ökonomische Schäden – außen vor bleibt auch, dass der Klimawandel Ökosysteme zerstört, die Biodiversität vermindert und die Wahrscheinlichkeit von gewaltsamen Konflikten erhöht.”

Link zur ausführlichen Studie von MCC und PIK “The impact of climate conditions on economic production. Evidence from a global panel of regions”: http://bit.ly/3aBuTox

Florian Fügemann,
fuegemann@pressetext.com

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