Immigration langfristig gut für die Wirtschaft


London/Oxford (13.03.2019) -

Immigranten: für die USA langfristig gut
(Foto: Elias Castillo, unsplash.com)

Eine höhere Immigration ist für die Wirtschaft langfristig besser, wie eine im Journal "The Review of Economic Studies" http://restud.com erschienene Studie feststellt. Dieser zufolge gibt es in US-Verwaltungsbezirken, sogenannten Countys, mit historisch höherer Einwanderung heute höhere Einkommen, geringere Armut und weniger Arbeitslosigkeit. Was es dagegen nicht gibt, sind langfristige soziale Kosten.

Vorteile über Jahrhunderte

In den USA sind im heutigen politischen Diskurs Immigration und deren Auswirkungen ein Brandthema. Doch sind die langfristigen Konsequenzen von Immigration bislang wenig erforscht. Ein internationales Team um Sandra Sequeira, Professorin für Entwicklungsökonomie an der London School of Economics and Political Science http://lse.ac.uk , hat daher die Effekte der Einwanderung in die USA von 1850 bis 1920 analysiert. In dieser Zeit ist die Immigration stark gestiegen, auch veränderten sich die Herkunftsländer. Kamen US-Einwanderer 1850 noch zu 90 Prozent aus Großbritannien, Irland oder Deutschland, waren es 1920 nur noch 45 Prozent.

Das Team hat festgestellt, dass sich Immigration schon nach kurzer Zeit positiv auswirkte. Es gab mehr und größere Fertigungsbetriebe, höhere landwirtschaftliche Produktivität und mehr Innovationen. Das passt zur Annahme, dass Immigration zunächst viele Ungelernte und einige hochqualifizierte Experten bringt. Die positiven Auswirkungen sind aber auch nach über 100 Jahren noch deutlich spürbar. Landkreise, die einst 4,9 Prozent mehr Zuwanderung aufwiesen, haben heute laut der Studie ein um 13 Prozent höheres Pro-Kopf-Einkommen. Farmen sind dort um 37 Prozent mehr wert und es gibt 152 Prozent mehr Patente pro Kopf.

Langfristig unproblematisch

Eine höhere Zuwanderung hat der Studie zufolge auch keine langfristigen sozialen Kosten. US-Regionen, in denen sich historisch mehr Einwanderer niederließen, haben heute ein ähnliches Maß an sozialem Kapital, Bürgerbeteiligung und Kriminalitätsraten als andere Gegenden. "Es gibt mehrere wichtige Parallelen, die man zwischen damals und heute ziehen konnte: der große Zufluss ungelernter Arbeitskräfte, der kleine, aber wichtige Zufluss hochqualifizierter Innovatoren sowie die bedeutende kurzfristige soziale Gegenreaktion gegen die Einwanderung", meint Sequeira. Man könnte also viel lernen, wenn man in der Zuwanderungsdebatte eine langfristigere Perspektive einnimmt.


pressetext.redaktion,
Thomas Pichler



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