EU-Neuwagengeschäft enttäuscht Analysten


Wien (16.10.2019) -

Auspuff:
Messstandards schaden dem Neuwagenmarkt
(Foto: pixabay.com, webandi)

Der EU-Neuwagenmarkt ist im September 2019 im Vergleich zum Vorjahr zwar gewachsen, trotzdem leidet er nach wie vor unter dem neuen Messverfahren zur Bestimmung der Abgasemissionen (WLTP). Denn die gestiegene Zahl an Neuwagenzulassungen ist laut einer Analyse der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY http://ey.com nur einem extrem schwachen Vorjahresniveau geschuldet.

"Der starke Anstieg der Neuzulassungen im September sagt wenig über den tatsächlichen Zustand des Automarktes aus. Aussagekräftiger sind der Vergleich zu September 2017 und die Entwicklung im bisherigen Jahresverlauf - und die zeigt immer noch nach unten", gibt Gerhard Schwartz, Partner und Sector Leader Industrial Products bei EY Österreich, zu bedenken.

Wachstum bei 2018-Verlierern

In der EU stiegen die Pkw-Neuzulassungen im September 2019 um etwa 14 Prozent. Doch im September 2018 hatte der neue Prüfstandard zu einem Absatzeinbruch von 23,5 Prozent geführt. Das Wachstum von 2019 konnte diesen Einbruch bei weitem nicht ausgleichen, die Neuzulassungen liegen wesentlich unter denen der Jahre 2015 bis 2017, als WLTP noch nicht in Kraft gesetzt war.

Vergleichsweise gute Ergebnisse erzielten vor allem Konzerne, die im Jahr 2018 besonders hohe Verluste gemacht hatten. "Die größten Gewinner des vergangenen Monats waren die größten Verlierer des Vorjahresmonats", sagt Schwartz. So konnte Volkswagen sein Wachstum bei Neuzulassungen um 47 Prozent steigern. Im September 2018 erlitt das Unternehmen noch Einbußen von 48 Prozent.

"Künstlicher Boom" steht bevor

Angesichts der WLTP-Messungsstandards erlebte der EU-Neuwagenmarkt bei Elektroautos im September 2019 ein starkes Wachstum. In den fünf größten Absatzmärkten stiegen die Neuzulassungen reiner Elektroautos insgesamt um 139 Prozent. Als Vorreiter bei der E-Mobilität entpuppt sich Österreich: Hier wuchs der Absatz von Elektroautos um 75 Prozent.

Die Analysten von EY erwarten ein weiteres Wachstum des EU-Neuwagenmarktes vor Anfang 2020. Denn ab kommendem Jahr gelten in der EU die neuen, deutlich strengeren Vorgaben für den durchschnittlichen CO2-Ausstoß der Neuwagenflotte. Hersteller werden deswegen versuchen, im Jahr 2019 noch möglichst viele Zulassungen für Fahrzeuge mit starkem CO2-Ausstoß zu erreichen, was einen "künstlichen Boom" auslösen wird.



Georg Haas,
haas@pressetext.com






Advertising