"Black Friday": Amazon verheizt Mitarbeiter


Emeryville (28.11.2019) -

Amazon-Mitarbeiterin:
Verletzte lassen Kritik wachsen
(Foto: revealnews.org)

Mitarbeiter in den 110 Lagerhäusern, die Amazon http://amazon.com in den USA betreibt, ziehen sich mehr als doppelt so oft schwerwiegende Verletzungen zu als im landesweiten Branchendurchschnitt. Besonders schlimm fällt die Verletzungsquote an Top-Handelstagen wie dem bevorstehenden "Black Friday" aus, an denen Angestellte zu Zwölf-Stunden-Schichten gezwungen und viele unerfahrene Saisonarbeitskräfte beschäftigt werden, um Millionen von Kunden rechtzeitig mit "Special Deals" zu beliefern, wie eine Untersuchung von Reveal http://revealnews.org , einem Projekt des Center for Investigative Reporting (CIR), aufzeigt.

Schattenseite der Schnelligkeit

"Amazons berühmte Schnelligkeit und technologische Innovation haben seine massive globale Expansion vorangetrieben und den Marktwert des Unternehmens auf über 800 Mio. Dollar ansteigen lassen", heißt es im Reveal-Bericht. Die rasante Entwicklung beim zweitgrößten privaten US-Arbeitgeber habe aber auch eine Schattenseite. "Die Besessenheit für Schnelligkeit hat die Warenlager dieser Firma zu Verletzungszentren werden lassen. Wer nicht schnell genug arbeitet oder dem enormen Zeitdruck nicht standhält, muss um seinen Job fürchten", betonen die CIR-Experten.

Ihre Kritik untermauern sie mit konkreten Zahlen aus internen Firmendokumenten. Diese belegen, dass im Jahr 2018 auf 100 Vollzeitangestellte im Lagerbetrieb im Schnitt 9,6 ernste Verletzungen kamen. Der übliche Durchschnittswert in der Branche beläuft sich auf vier von 100 Fälle. "Die stressigste Zeit beginnt mit dem Black Friday, der das Weihnachtsgeschäft einläutet. Während dieser Phase, in der Amazon letztes Jahr über eine Mrd. Pakete an Prime-Kunden versandt hat, müssen die Körper der Lagerarbeiter ungeheuerliche Belastungen aushalten", so der Bericht.

"Unsere Gesundheit ist ihnen egal"

Bei Amazon selbst sieht man das Ganze freilich etwas anders. Die Verletzungsrate innerhalb des Unternehmens sei nur deshalb so hoch, weil man versuche, auch wirklich jeden derartigen Fall akribisch zu melden und seine Mitarbeiter dazu auffordere, seinen Job erst wieder anzutreten, wenn man auch wirklich wieder fit sei. "Wir wissen, dass wir mit der Entscheidung, verletzte Kollegen nicht vorschnell wieder einzusetzen, die Verletzungsstatistiken nach oben treiben. Uns geht es dabei aber um das Wohl der Angestellten", erklärt Firmensprecherin Ashley Robinson.

"Amazon geht es einzig und allein darum, dass die Arbeit so schnell wie möglich erledigt wird. Es ist ihnen vollkommen egal, was das für uns und unsere Gesundheit bedeutet", kontert Candice Dixon, ehemalige Lagerarbeiterin beim Online-Händler. Um die vorgegebenen Quoten zu erreichen, habe sie alle elf Sekunden ein neues Paket abfertigen müssen. Doch nach nur zwei Monaten im Job und beinahe 100.000 bearbeiteten Artikeln sei ihr Rücken vollkommen hinüber gewesen, woraufhin sie gekündigt wurde. "Heute kann ich nicht einmal mehr Treppen hinaufsteigen", beschwert sich die die 54-Jährige.



Markus Steiner,
steiner@pressetext.com






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