Mehrheit empfindet niedrige Löhne als unfair


Berlin (12.09.2018) -

Münzen:
Kritik an geringen Einkommen
(Foto: Klaus-Uwe Gerhardt, pixelio.de)

Zwar wird die ungleiche Verteilung der Einkommen in Deutschland akzeptiert, die überwältigende Mehrheit nimmt aber untere Arbeitseinkommen als zu niedrig wahr. Zu diesem Schluss kommt eine heute, Mittwoch, von Ökonomen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) https://diw.de veröffentlichte Studie.

Mittlere Einkommen zu gering

"Aus Sicht fast aller befragten Beschäftigten sind Menschen in Deutschland am unteren Ende der Einkommensverteilung unterbezahlt und das empfinden alle als ungerecht. Auch mittlere Einkommen finden sehr viele unfair. An hohen Einkommen wiederum stören sich viel weniger, rund ein Drittel der Befragten - vielleicht auch, weil nicht die Top-Einkommen Gegenstand der Frage waren, zu denen die Wahrnehmung sicherlich nochmal eine andere ist", fasst Studienautorin Jule Adriaans das Ergebnis zusammen.

Befragt wurden Beschäftigte zu ihrer Gerechtigkeitswahrnehmung bestimmter Einkommensklassen (hohe, mittlere und niedrige Erwerbseinkommen). Hohe Einkommen (6.100 Euro brutto im Monat im Durchschnitt) werden von etwa der Hälfte der Befragten als gerecht bewertet, 38 Prozent finden sie zu hoch. Mittlere Einkommen (durchschnittlich 2.700 Euro im Monat) empfinden 81 Prozent als zu niedrig, geringe Einkommen von etwa 1.200 Euro im Monat nehmen gar 96 Prozent der Befragten als zu niedrig wahr.

Leistung und Engagement leiden

Laut den Forschern tendieren Befragte, die sich selbst als unterbezahlt sehen, dazu, ihre Leistung am Arbeitsplatz zurückzufahren. Ebenso geht die Einschätzung, dass hohe Einkommen zu hoch sind, mit einer Leistungszurückhaltung im Job einher - möglicherweise, weil sie als Verletzung des Leistungsprinzips gesehen wird. Sowohl Personen, die ihr Einkommen als zu niedrig empfinden, als auch diejenigen, die untere Einkommen generell als zu gering einstufen, tendieren darüber hinaus dazu, sich politisch zurückzuziehen. Als Indikator hierfür dient die Absicht, bei der nächsten Bundestagswahl eine Stimme abzugeben.



Florian Fügemann,
fuegemann@pressetext.com






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