Deutscher Mittelstand: Ein Mythos im Wandel


Köln (11.12.2015) -

Der Mittelstand ist das Herz der deutschen Wirtschaft und Triebkraft für Wachstum und Beschäftigung. Kleine und mittlere Unternehmen entwickeln in Deutschland dank ihrer Kreativität und Marktnähe besonders viele innovative Produkte und Dienstleistungen. Doch auch der "Mythos" Mittelstand steht vor großen Herausforderungen und Veränderungen. Darüber diskutierten Wirtschaftsexperten am 8. Dezember an der International School of Management (ISM) in Köln.

Vor allem dem Mittelstand ist es zu verdanken, dass Deutschland die Wirtschaftskrise 2009 so glimpflich überstanden hat. Daran erinnerte auch Arndt Günter Kirchhoff in seiner Begrüßung. Der Präsident des Instituts der Deutschen Wirtschaft und Mitherausgeber des Buches "Mittelstand - Motor und Zukunft der Wirtschaft", das der Tagung ihren Namen gab, identifizierte die großen Themen, die den deutschen Mittelstand bewegen - Unternehmensnachfolge, Digitalisierung und Globalisierung.

Bis 2018 werden rund 135.000 Unternehmen deutschlandweit vor der Aufgabe stehen, eine Nachfolgeregelung zu treffen. Die Weitergabe eines Unternehmens an die nächste Generation ist ein komplexer Prozess und das Scheitern leider der Normalfall. Welche rechtlichen, steuerlichen und organisatorischen Aspekte bei der Unternehmensnachfolge zu beachten sind, darüber referierte Karl A. Niggemann vom Institut für Wirtschaftsberatung (IfW).

Intensive Diskussionen folgten auf den Vortrag von Dr. Rudolf Schmitz über die Erbschaftssteuer und die Konsequenzen für den Mittelstand. Bereits im Dezember 2014 stellte das Bundesverfassungsgericht den Gesetzgeber vor die Aufgabe, eine Reform des Erbschaftsteuergesetzes einzuleiten. 2016 soll das neue Gesetz kommen, durch das die Verschonung bei der Nachfolge künftig bei großen Unternehmen deutlich restriktiver gehandhabt wird.

Kaum abzusehen ist bisher, wie der deutsche Mittelstand der Digitalisierung der Arbeitswelt begegnen wird. Laut Karin-Brigitte Göbel, Vorstandsmitglied der Stadtsparkasse Düsseldorf, gibt es noch immer die zwei großen Lager der Befürworter und Skeptiker. Letztere befürchten, dass durch die Digitalisierung mehr Arbeitsplätze wegfallen als gewonnen werden. Dabei zeigen jüngste Statistiken, dass gerade kleine Unternehmen deutlich vom Internetgeschäft profitieren. "Obwohl der Jahresumsatz durch die Online-Medien steigt, fehlen konkrete Strategien für digitale Geschäftsmodelle", so Göbel.

Wachstum stand auch im Fokus des Expertenbeitrags "Globalisierung und Mittelstand" von André Schwarz, Stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen e.V. Dabei stellte er sich deutlich hinter das umstrittene Freihandelsabkommen TTIP zwischen der Europäischen Union und den USA. "In den Medien wird die Angst vor dem Abkommen geschürt, dabei braucht gerade eine Exportnation wie Deutschland den freien Handel und auch der Mittelstand wird davon profitieren", so Schwarz.

Die Themen, die im Laufe der Veranstaltung diskutiert wurden, finden sich auch in verschiedenen Fachbeiträgen der neu erschienenen Veröffentlichung "Mittelstand- Motor und Zukunft der deutschen Wirtschaft. Erfolgskonzepte für Management, Finanzierung und Organisation" wieder, die vor Ort vorgestellt wurde. "Die gesamtwirtschaftliche Bedeutung des deutschen Mittelstandes wird heute immer noch unterschätzt", so ISM-Professor, Mitherausgeber und Moderator dieser Veranstaltung Prof. Dr. Diethard B. Simmert. Er resümierte: "Die Veranstaltung war ein gelungenes Forum für Vertreter aus dem Mittelstand und der Finanzwelt, um sich über die wesentlichen Aspekte zu informieren, mit denen mittelständische Unternehmen heute und morgen konfrontiert werden."


ISM International School of Management,
Daniel Lichtenstein



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